fbpx

Drohnen-Unfälle mit Wasser und Sand

Bloß nicht pusten!

Nicht jede Drohne kommt unbeschadet aus dem Sommerurlaub zurück. Im Interview gibt der Drohen-Profi Tipps, wie sich manches Malheur vermeiden lässt.

JOURNALIST: DrohnenSpital, Sie reparieren kaputte Drohnen. Hat das Geschäft gerade Sommerpause?

DrohnenSpital: Im Gegenteil. Wir haben im Sommer immer viel mehr zu tun als sonst. Im Schnitt verzeichnen wir im Sommer 30 Prozent mehr Schäden als im restlichen Jahr.
JOURNALIST: Woran liegt das?

DrohnenSpital: Wir vermuten, dass die Leute in den Ferien oder unter Freunden anders mit den Geräten umgehen. Oft sind es Aufprallschäden, öfter fällt das Gerät auch mal in den Sand oder ins Wasser.

JOURNALIST: Was tun, wenn die Drohne im Sand liegt und in allen Öffnungen stecken Sandkörner?

DrohnenSpital: Bloß nicht pusten! Damit drückt man die Körner oft tiefer rein und sorgt womöglich für Feuchtigkeit. Das macht alles schlimmer. Lieber Zuhause mit einem Staubsauger auf halber Kraft ein bisschen absaugen. Am besten funktioniert ein weicher Pinsel, um Staub und Sand aus den Öffnungen zu holen. Sowas benutzen wir in der Werkstatt auch. Manchmal hilft auch ein Zahnstocher.

JOURNALIST: Und wenn sie ins Wasser fällt, ist sowieso alles aus?

DrohnenSpital: Kommt drauf an. Salzwasser ist besonders schlimm, weil es beim Trocknen schneller zu Korrosion führen kann. In jedem Fall entfernt man sofort den Akku und die SD-Karte und lässt das Wasser abfliessen. Bei Salzwasser kann man die betroffenen Stellen vorsichtig mit Süsswasser spülen. Anschliessend lässt man die Drohne mehrere Tage trocknen. Wenn die Drohne trocken ist kann man den Akku einlegen und schauen, was noch geht. Wenn etwas schmort den Akku sofort wieder entfernen und die Drohne einem Spezialisten zur Einschätzung vorbeibringen.

Wasserschäden sind tückisch und meist schwer zu reparieren

JOURNALIST: Können die Daten bzw. Fotos und Videos gerettet werden?

DrohnenSpital: In den meisten Fällen ist die SD Karte nicht beschädigt und die zuvor aufgenommenen Fotos und Videos können von der Karte auf den Computer überspielt werden. Wurde die SD-Karte beschädigt, können wir versuchen zu retten was zu retten ist, Aufwand und Ertrag rechnen sich aber vielfach nicht mehr.

JOURNALIST: Welchen Tipp haben Sie, um solche Schäden oder Verlust zu vermeiden?

DrohnenSpital: Sandstrände sollten nach Möglichkeit gemieden werden, da schon bei wenig Wind Sandkörner in der Luft herumwirbeln. Wenn man es dann nicht vermeiden kann, startet und landet man zumindest auf einem sandfreien Platz oder einem Pad. Am besten speichert man seine Fotos und Videos nach jedem Flug, speziell wenn man über Wasser oder in unzugänglichen Gebieten unterwegs ist. Am Ende sind die Daten oft von größerem Wert als das Gerät.

JOURNALIST: Kann man an modernen Drohnen überhaupt noch irgendetwas selbst reparieren?
DrohnenSpital: Kaum. Heute bekommt man die Geräte ja nur noch mit Spezialwerkzeug auf und beschädigt weitere Bauteile, wenn man sich nicht auskennt.

JOURNALIST: Was war der krasseste Schaden, den Sie je auf den Tisch bekommen haben?

DrohnenSpital: Bei Filmaufnahmen prallte die Drohne zuerst mit hoher Geschwindigkeit in eine Felswand und stürzte anschliessend in den darunterliegenden schlammigen See. Das Gerät war kaum mehr als Drohne zu erkennen und ausser den Videoaufnahmen konnte nichts mehr gerettet werden.

JOURNALIST: Man muss ja auch nicht jede Kleinigkeit sofort beheben. Welche Schäden kann man denn erst einmal so lassen?

DrohnenSpital: Kratzer und Beulen beeinflussen das Flugverhalten meist nicht und können belassen werden. Auch Probleme mit dem Gimbal/Kamera müssen nicht sofort behoben werden, wenn man mit der Bildqualität noch leben kann.

JOURNALIST: Welche Schäden sollte man sofort reparieren lassen?

DrohnenSpital: Alle Schäden, welche die Flugsicherheit beinträchtigen, müssen umgehend und vor dem nächsten Flug behoben werden. Dazu gehören knarzende Motoren, Probleme mit dem GPS oder der Lagestabilisierung und Probleme mit der Funkfernsteuerung. Beschädigte Propeller sollten auch umgehend getauscht werden, denn hier ist das Risiko von Folgeproblemen sehr hoch, das kann man aber einfach selber machen. Ebenfalls sollten defekte oder aufgeblähte Akkus nicht mehr verwendet werden.

JOURNALIST: Woran erkenne ich einen aufgeblähten Akku?

DrohnenSpital: Sobald der Akku nicht mehr seine ursprüngliche meist kubische Form hat und Rundungen zeigt ist er gebläht.

JOURNALIST: Was genau soll man dann tun?

DrohnenSpital: Geblähte Akkus können nicht repariert werden. Man darf diese keinesfalls aufladen, schon gar nicht in Innenräumen, oder zum Flug verwenden. Ebenfalls dürfen geblähte Akkus nicht versendet werden. Wenn der Akku transportiert werden muss, dann nur in einer feuerfesten Box, speziell im Auto. Man bringt den Akku zur örtlichen Entsorgungsstelle, wo man ihn einem Mitarbeiter zur fachgerechten Entsorgung übergibt.